Zehn Tage mit Apollo

Puh! Das ist einer meiner schwersten Blogbeiträge… einfach, weil ich gar nicht so richtig weiß, was und wie ich es in Worte fassen soll.

Am 4. September – pünktlich zu unserem dritten Jubiläum – kam unser kleiner Apollo auf die Welt. Unser allererster Hengst nach vier Stutfohlen – und ich witztelte noch mit Roy rum, er solle sich den Kleinen ganz genau anschauen, das wird mal sein Chef…

Es kam alles ganz anderes. Nachdem der kleine Knirps mit einem umgeknickten Ohr auf die Welt kam und recht lange brauchte, um die Milchbar zu finden, fing er am Abend dann aber auch an mit dem Temperament unserer kleinen Avinya zu liebäugeln. Ach, die beiden… die hätten das Gehege ganz schön unsicher gemacht… Nachdem der kleine Knirps gleich am Freitag schon Besuch bekam – er war nämlich (neben unserem allerersten Hengst) auch unser allererstes Schulpatenalpaki – fingen am Samstag seine ersten Beschwerden an und damit unsere Sorgen, die in vielfältige Richtungen gingen… in allererster Linie aber ersteinmal in Richtung „Hoffentlich ist das nix ernstes“ – aber die Angst, dass wir seiner Patenklasse sagen müssen, dass er es nicht geschafft hat, die schwang bereits da schon unterschwellig mit. Zunächst mussten wir aber ersteinmal rausfinden, was er überhaupt hatte… nach – nicht so – langem Abwägen, riefen wir schließlich den Tierarzt. Denn wie hatten wir es gelernt? Wenn du auch nur den Hauch einer Ahnung hast, dass irgendwas mit den Alpakis nicht stimmt, dann handele! Also kam zu später Stunde (was waren wir froh, dass wir frühzeitig unsere Notfallbeleuchtung in die Unterstände der Flauschies eingebaut hatten und so nicht im Dunklen mit Taschenlampen hantieren mussten) der Tierarzt das erste Mal vorbei… eine Lungenentzündung war die Diagnose. Mit Schmerzmittel und Antibiotika ausgestattet, kam Apollo damit zumindest mal übers Wochenende und wir hatten die Order „Wenn’s am Montag nicht besser ist, ruft an!“. Hach, wie wir gehofft hatten, dass wir es nicht machen müssten. Aber es wurde nicht besser… ganz im Gegenteil, es wurde noch mal schlechter. Das Antibiotika schien nicht anzusprechen. Kortison kam in die engere Auswahl… da gingen ersteinmal alle Alarmglocken an… denn das ist für die Wiederkäuer eher problematisch… Da hieß es dann eine Entscheidung treffen… und wir trafen sie zugunsten des Kortisons – und lagen damit zumindest vorerst erstmal nicht falsch. Bis zum Abend ging es dem Kleinen ganz langsam wieder besser… aber das Antibiotika war trotzdem noch nicht das richtige… Hier musste schließlich der Tierarzt eine Entscheidung treffen, probieren wir was anderes oder nicht… die Medikamtengesetze lassen dem Tierarzt da nicht immer viel Spielraum. Und auch der Tierarzt traf seine Entscheidung und lag damit auch nicht falsch. Während Martin sich in den kommenden Tagen auf eine nicht verschiebbare Dienstreise begab, koordinierte ich gemeinsam mit dem Tierarzt die kommenden Behandlungstreffen… denn für Apollo hieß es nun 2x am Tag kommt der Doc. Sowohl Tierarzt als auch Martin impften (äh… also mit Worten) mir ein, ich solle mich nicht so sehr freuen, wenn es aufwärts geht, es könnte noch mal einen Rückfall geben und so bangte ich Tag für Tag beim Betreten des Geheges, ob der kleine Kerl noch lebt oder ob er nicht mehr lebt… Es war jedes Mal ein Horrormoment. All die lieben Worte und Herzen, die es in diesen Tagen via Facebook und Instagram und auch per Mail und Whatsapp gab, haben soooo viel Kraft gegeben… und gleichzeitig wuchs natürlich auch die Angst, irgendwann doch sagen zu müssen… hat leider doch nicht gereicht. Apollo hat fleißig mitgekämpft und hat alles sooooooo tapfer über sich ergehen lassen. Das Schnaufen, die Spritzen, die Panikanfälle von mir…

Gemeinsam mit dem Tierarzt bangten wir jeden Tag aufs Neue… als es zum Ende der Woche Apollo nicht wirklich besser ging (er nahm zwar nicht ab, aber seine Atmung wollte und wollte nicht besser werden), wurde mal noch in der Uni Gießen angefragt, was sein könnte… und der dort geäußerte Verdacht, dass bei Apollo die Atemwege in der Nase nicht richtig ausgebildet sein könnten, erhärtete sich in Richtung Wochenende immer mehr. Die Atmung wurde trotz Medikamente nicht besser und ab Freitag schien er immer schneller zu atmen… in seinem Blick fand sich immer öfter die Panik keine Luft zu bekommen und er machte immer öfter mit offenstehendem Mäulchen Pause, während er versuchte den anderen zu folgen. Am Samstag schließlich merkte man dem keinen Kerl an, dass er an seine Grenzen kam. Die Atemfrequenz pendelte sich bei knapp 160 Atemzügen pro Minute ein und das Fortbewegen fiel ihm immer schwerer. So sehr er mit Avinya spielen wollte, so wenig ging es. Es war eine Qual ihm zuzuschauen und trotzdem stand er immer wieder auf und suchte er immer wieder die Nähe seiner Mama und somit der Milchbar. Sein Lebenswille war unglaublich. Am Samstagnachmittag war es schließlich soweit, Martin und ich fingen ernsthaft an darüber nachzudenken, ob wir ihm das weiter zumuten wollen. Am frühen Abend riefen wir noch einmal beim Tierarzt an, der dann zum Abend hin auch kam. Nach langem Hin und Her, vielem Abwägen, langem Ausbreiten der Fakten und Optionen trafen wir schließlich die Entscheidung ihn zu erlösen.

An dieser Stelle ein dickes Danke an die Tierarztpraxis von Peter Wagner mit seinen Tierärzten! Danke, dass ihr uns die Woche so begleitet habt und vor allem auch die Zeit genommen habt, uns zuzuhören, unsere Sorgen ernst zu nehmen und auch keine Scheu hattet, weiterzuforschen, was sein könnte! Selbst, wenn schon die nächste Kolik wartete, hatten wir zu keinem Zeitpunkt das Gefühl schnell abgefertigt zu werden! DANKESCHÖN!

Nachdem unser kleiner Kerl seine allerletzte Spritze erhalten hatte, haben sich vor allem Rika, die immer in den ersten Tagen ein ganz besonderes Verhältnis zu den kleinen Nachwuchsalpakis aufbaut, und seine Mama Ciara von Apollo verabschiedet. Auch Amparo und Avinya sagten ihrem kleinen Spielkameraden, der viel zu kurz da war, Lebewohl. Eine herzzeireißende Prozedur, die – so glauben wir – aber extrem wichtig für alle war. Auch für uns!

Ein dickes Dankeschön geht auch an Ilona von den Taubertal-Alpakas, die uns während dieser Woche immer wieder mit Rat und lieben Worten zur Seite stand! DANKE!!

Und unsere Schulpatenklasse? Die musste ganz tapfer sein. Das war so gar nicht leicht… weder für uns, noch für die Lehrer und Schüler. Wir werden dennoch das Jahr gemeinsam miteinander verbringen und freuen uns schon jetzt auf den nächsten Besuch der Rasselbande!

Auch wenn unser kleiner Apollo nur kurze Zeit bei uns war, wird er doch immer ein Teil unserer Herde und in unserem Herzen bleiben! Für mich wird der Kleine mein ganz persönlicher Motivationscoach sein! Sein Wille zum Leben war für mich unglaublich inspirierend! Wahnsinn! Deswegen hängt sein Bild nicht nur bei uns im Unterstand, sondern auch im Büro… denn… egal, wie schwer es ihm fiel zu atmen, er ist immer noch einmal aufgestanden.


Das kurze Leben unseres kleinen Apollos in Bildern:

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